1921er Côtes Rions J.C. Becker

1921 ist für viele das Jahr, indem Albert Einstein der Nobelpreis für Physik verliehen wurde.
In der Weinwelt ist dieses Jahr wiederum als das Geburtsjahr von Pierre Galet bekannt, der später den Fachbereich Weinbau an der Universität Montpellier leitete und heute als einer der führenden Experten für Ampelografie in der Weinwelt gilt.
Gleichzeitig ist dieses Jahr als einer der sogenannten Spitzenjahrgänge in die Geschichtsbücher der Weinwelt eingegangen. Der Sommer soll so lang und heiß gewesen sein, dass einige Obstbäume angeblich zwei Mal blühten. Besonders in Deutschland und im Bordeaux konnten herausragende Weine heranwachsen.

Doch kommen wir nun zum Wein.
Vorab möchte ich Reinhart Kremtz aus Sachsen danken. Dem lieben Weinfreund, der diesen Wein zur Verfügung gestellt und mich zum Probieren eingeladen hat.
Der 1921er Côtes Rions ist ein Sauternes und wurde aus den Sorten Sauvignon Blanc und Sémillon kreiert. Der Vertrieb erfolgte über J.C. Becker aus Lübeck. Heute, 95 Jahre später, ist es ein Wein zum Hoffen, Bangen und um ihn sehnsüchtig mit Ruhe zu öffnen. …
Das Etikett war in gutem Zustand. Die Kapsel war golden und hatte einen leichten blauen Schimmer. Ob der Korken noch intakt war, konnte von außen nicht erkannt werden. Vorsichtig wurde die Kapsel entfernt, der Flaschenhals darunter gesäubert und der überschüssige Korken mit einem scharfen Messer glatt am Flaschenhals getrennt. Anschließend wurde der Hauptteil des Korkens vorsichtig entfernt. Dieser war in einem erstaunlich guten Zustand und roch nach Wein – nicht nach Kork. Der Dekanter wurde vorab vorbereitet. Nachdem der überschüssige Korkstaub aus dem Flaschenhals entfernt wurde, diente der erste Schluck des Weines zum Weingrün machen des Dekanters und zur ersten sensorischen Kontrolle.
Es handelte sich um einen Süßwein und die Frucht wirkte noch frisch. Da ich selber nicht ein Freund von zu viel Sauerstoff bin, entschloss ich mich den Wein 2 Stunden später, kurz vor dem Servieren des Hauptganges, zu dekantieren. Somit hatte er noch genügend Zeit zum Atmen.

Die Farbe war Orange-Braun ähnlich getrockneter Datteln. Die Nase erinnerte direkt nach dem Öffnen an Feigen mit leichten Nussaromen. Im Geschmack war er frisch, hatte eine leichte Säure und wirkte weniger süß wie erwartet.
Wir ließen den Wein in der Flasche und verschlossen ihn wieder. Nach zwei Stunden wurde er dekantiert und nach einer weiteren Stunde verkostet.
Die Nase erinnerte immer noch an getrocknete Früchte. Doch diesmal kamen leichte torfige Noten hinzu. Die Überraschung folgte nach weiteren 1 bis 1,5 h Stunden dekantieren. Die torfigen Nuancen verflogen. Die Nase erinnerte an getrocknete Feigen, Nüsse, etwas Grapefruit, weißen Pfeffer, Pfirsich und Meersalz. Im Geschmack wirkten fruchtige Komponenten, eine angenehme sowie milde Säure und leichte Bitternoten wie die von Grapefruits. Zum Wein gab es Käse – Tête de moine und einen Hartkäse. Es empfiehlt sich weiterhin ein schöner Roquefort oder eine Pana Cotta die nicht zu süß ist.

Wer die Möglichkeit bekommt diesen Wein zu probieren, sollte dies unbedingt tun – a votre Santé!