Weingut Ziereisen

«Über Qualität rede ich nicht – ich setze sie voraus.» – Hanspeter Ziereisen

 Seit 10 Jahren gibt es den Menüwettbewerb „Kochsternstunden“ und in diesen 10 Jahren sind die Menüs komplexer, vielfältiger und die gastronomischen Konzepte interessanter geworden. So ist es kein Zufall, dass es in diesem Jahr einige altbewährte und neue PopUpRestaurants mit spannenden Konzepten gibt. Eines dieser Restaurants ist die Weinzentrale in welche Inhaber und Sommelier Jens Pietzonka, befreundete Restaurants und Winzer einlädt. Am 19. Februar 2018 waren das Weingut Ziereisen und das Restaurant Valentin Lindau aus Baden zu Gast. Aus oenologischer Sicht muss ich sagen: die Weine waren beeindruckend – jeder der das Weingut noch nicht kennt, steht eine Entdeckung bevor.

Als Weinliebhaberin finde ich es immer interessant, nicht nur die Weine zu verkosten, sondern auch zu erfahren, warum der Winzer diesen und jenen Wein so oder so ausgebaut hat. Bei Hanspeter und Edeltraud Ziereisen hatten wir ein sehr bodenständiges, offenes und lebenslustiges Winzerehepaar zu Gast. Es war ein informationsreicher und lustiger Abend, bei dem man das Gefühl hatte, nicht nur einen Winzer zu treffen, sondern mit Weinfreunden zusammen zu sitzen.

Winzer Hanspeter Ziereisen ist 1967 geboren und hat im ersten Bildungsweg eine Schlosserlehre gemacht und im Anschluss eine Winzerlehre absolviert.  Angefangen hat er 1991 mit knapp 0,5 ha Rebfläche und einem – für seine heutige Sicht – traditionellen Weinausbau (keine oder nur kurze Maischestandzeiten sowie eine schnelle, sauerstoffarme Verarbeitung).  Den ersten Jahrgang brachte er 1993 heraus und hat sich seit dieser Zeit etwas in der Größe sowie seinen Weinstil gewandelt. Heute ist das Weingut auf knapp 20 ha herangewachsen und der Weinstil, seine Philosophie sowie sein Weinausbau haben sich grundlegend geändert.

Er liebt gereifte Weine, mit einem langen Lagerpotential, die man als große Weine bezeichnen kann bzw. die zu diesen werden können. Die modernen Ausbaumethoden können dieses Potential bei einer sehr hohen Traubenqualität und exzellenten Jahrgangsbedingungen hervorbringen, aber nicht dauerhaft garantieren. Aus diesem Grund entwickelte Hanspeter Ziereisen seinen eigenen Stil: nicht typisch modern und nicht komplett traditionell: Einfach eben der Ziereisen-Stil.

Das Weingut befindet sich im badischen Efringen-Kirchen, die Böden sind kalkhaltig und die klimatischen Bedingungen erinnern sehr an das Burgund. Aus diesem Grund, so erzählte uns der Burgunderfan, hat er die Klone für die Burgundersorten aus der französischen Heimatregion der Rebfamilie gewählt. Bei der Wahl der übrigen Sorten stand für den Gutedelliebhaber fest, dass es natürlich Gutedel und weitere interessante Sorten sein sollen. Besonders den Chasselas (Synonym für Gutedel) möchte Hanspeter Ziereisen wiederbeleben und zu seiner alten Größe verhelfen.
Gemäß dem Leitsatz „Schlamperei im Rebberg lässt sich im Keller nicht mehr wettmachen – Große Weine entstehen am Stock.“ (Zitat: www.weingut-ziereisen.de), sind die Arbeiten im Weinberg mit ertragsregulierende Maßnahmen, einem aufwendigen Laubwandmanagement und einer strikten Selektion während der Weinernte, unerlässlich. Dies bildet die Grundlage für große Weine mit einem langen Reife- & Lagerpotential.

Im Weinkeller werden die Trauben nach einer bis zu acht Wochen dauernden Maischestandzeit in alten, aufbereiteten Korbpressen gepresst. Dadurch gibt es einen hohen Gerbstoffeintrag in den Most. Die Gärung findet im Anschluss spontan statt und der Ausbau wird je nach Sorte, in alten, aufbereiteten Holzfässern (das älteste soll ca. 130 Jahre alt sein – was ich sehr beeindruckend finde) oder in Barriques durchgeführt. Zusätzlich erhalten die Jungweine einen langen Hefekontakt und durch die Fässer einen hohen Sauerstoffeintrag. Beides führt dazu, dass die Weine ruhig und lange reifen können, wodurch die Gerbstoffe ihr adstringierendes sowie herb wirkendes Mundgefühl verlieren. Je nachdem um welchen Wein es sich handelt, werden diese teilweise unfiltriert gefüllt.

Das akribische Leben und Arbeiten nach der Philosophie, sind genau das, was die Weine ausmachten. Es sind Weine zum Entdecken, für die man sich Zeit nehmen muss und die einzigartig sind.